Während meiner ersten Reise nach China habe ich viel Aufregendes erlebt. Da war zum Beispiel ein Page, der so lange auf sein Trinkgeld wartete, bis ich endlich kapiert hatte, warum er nicht geht. Dabei hatte ich vorher noch im Reiseführer gelesen, es sei nicht üblich, bzw. sogar verboten, Trinkgeld zu geben. Hier hatte der chinesische Weg des Kommunismus offenbar sehr schnell eine Veränderung zugelassen.
Auch versuchte man allerorts, den Touristen ein besonderes Weihnachts-Feeling zu vermitteln – in Hotelcafes dudelten und sangen Kinder westliche Weihnachtslieder, und derartige Darbietungen sorgten stets für wahre Massenfluchten. Auch in Gold gekleidete Engel begrüßten uns in der Hotellobby.
Eine ruhige Zufluchtstätte waren dahingehend Orte, die nicht von Touristen besucht wurden. So aß ich zum ersten Mal in meinem Leben Suppe mit Stäbchen, und alle hatten ihre wahre Freude an mir. Zunächst wählte ich auf einer bunten Fototafel eine Suppe aus, die appetitlich aussah; ich nahm Platz und schaute möglichst unauffällig zu, wie die Chinesen ihre Suppe aßen. Das sah sehr einfach aus, denn die Suppe wurde mitsamt der Schale einfach nah an den Mund geführt und der Inhalt flugs mithilfe der Stäbchen in den Mund geschoben. Was bei mir von Tropfen und Spritzern begleitet war, untermalten meine chinesischen Nachbarn mit lautem Schlürfen.
Ein ganz besonderer Wunsch während meiner ersten Reise nach China war die Fahrt zur großen Mauer. Wie gut, dass man manchmal vorher nicht weiß, wie anstrengend die Erfüllung des Wunsches sein kann. Die Fahrt zur großen Mauer war leicht, der Aufstieg dagegen eine Strapaze. Dieses Monstrum und Wunder der Erde ist heute nur noch an wenigen Stellen restauriert und zugänglich. Trotzdem erschien der Aufstieg waghalsig und halsbrecherisch, da die Stufen teilweise sehr unterschiedlich hoch waren und das ganze in eine Klettertour ausartete. Der Ausblick auf den Sonnenuntergang am 24. Dezember ist mir sehr eindrucksvoll in Erinnerung geblieben. Mein besonderes Abendessen danach auch.
In einem feinen Hotelrestaurant wollte ich mir einen Fisch munden lassen. Dieser wurde mir in einer Holzbox zunächst gezeigt und dann serviert. Lediglich den Preis des guten Stückes hätte ich besser vorher erfragt, denn dieser wurde pro 50 g berechnet, was mir den teuersten Fisch meines Lebens bescherte…