Jugendreisen nach Rimini

Nun ist es so weit: Mein Sohn möchte zum ersten Mal allein verreisen. Eine Jugendreise nach Rimini steht auf seiner Wunschliste ganz oben. Ich war nicht sonderlich erstaunt darüber, dass er schon ein so konkretes Ziel ins Auge gefasst hatte. Nachdem wir unsere Familienurlaube in seiner frühen Kindheit häufig in Italien, Korsika und Kroatien auf dem Zeltplatz verlebt hatten, war es immer sein großer Traum, auch einmal im Rahmen einer Jugendreise dorthin zu fahren.

Während unserer Zelturlaube haben wir die Jugendgruppen in ihrem Sommerurlaub immer gern beobachtet. Wir lauschten ihren Liedern, wenn wir schon eingekuschelt im Zelt lagen. Ihre Diskussionen, ihre kleinen Streitereien, den Liebeskummer, von dem ein Mädchen der besten Freundin laut unter der Gemeinschaftsdusche erzählte – all das bekamen wir live, bunt und in Farbe mit.

Wenn ich abends zu Hause bei meinem Sohn am Bett saß, musste ich ihm oft von meiner eigenen Jugendreise nach Korsika erzählen, damals im Sommer 1989. In diesem Sommer war ich mit einem Reisebus aus einem kleinen hessischen Dorf Richtung Korsika aufgebrochen. Mit Dosenbier im Gepäck und vielen anderen Jugendlichen, die ich bereits mein ganzes Leben lang kannte, ging es auf die wundervolle Insel, die von türkisblauem Wasser umgeben war. Ich erzählte meinem Sohn so gerne, wie es war, nachts am Strand zu schlafen. Ich erzählte ihm von unserem Grillabend am Meer, als uns ein Einheimischer mit dem Gewehr verjagte, obwohl unser Grill im Meerwasser stand, vom kurzen Liebeskummer, als meine Freundin eines Abends mit meinem Schwarm am Strand knutschte (und mit dem sie heute verheiratet ist), ich erzählte ihm von unseren Wanderungen zu einem Badesee im Landesinneren und von unserer Begegnung mit einem deutschen Künstler. Ich erzählte ihm von den schockierten Blicken unserer Gemeindereferentin, als sich herausstellte, dass der Künstler ein FKK-Anhänger gewesen war.

Nicht erzählt habe ich ihm von viel zu viel Rotwein, den wir getrunken haben, auch nicht davon, dass wir nachts weit ins Meer hinausgeschwommen sind und meine Freundinnen barfuß und ohne Helm auf Motorrädern mitgefahren sind. Meine Angst um ihn muss ich mir nun schwer verkneifen und mich damit trösten, dass auch meine Eltern, Gott sei Dank, nicht alles wussten, was wir angestellt haben.

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